Ausstellung vom 19. November 2006 - 25. März 2007


Weite Horizonte öffnen sich über dem türkisblauen Meer, das gleißende Licht der Mittagssonne lässt jegliche scharfe Konturen verschwimmen, Strandspaziergänger und Badende werden zu Schattengestalten – Meeresaufnahmen die zu Farbflächenmalerei werden. Diese und weitere fünf Fotoserien der in Münster tätigen Fotografin Jutta Engelage sind vom 19. November 2006 bis 25. März 2007 im Kunstforum des Herz- und Diabeteszentrum NRW zu sehen.

Die gelernte Buchhändlerin und Lektorin wuchs in Löhne auf und ist seit 2001 freischaffend im Bereich Foto – Kunst – Text tätig. Regelmäßig ist Jutta Engelage in Einzel- wie auch Gemeinschaftsausstellungen beispielsweise im Gustav-Lübcke-Museum Hamm, Kloster Gerleve, Billerbeck und Akademie Franz Hitze Haus, Münster, vertreten. Mitwirkungen am Künstlerinnen-Projekt „Horizontal limits 1 + back from egypt 2“ (Münster, Luxor, Essen, Hamm) und an der „arte regionale“ in Osnabrück stellen sicherlich erste Höhepunkte ihres Schaffens dar.

In ihrem Leben war die Fotokamera ein ständiger Begleiter. Auf den vielen Reisen sammelte sie Erfahrungen im Einfangen von Eindrücken und Vermitteln von anderen Welten. Neben der notwendigen technischen Beherrschung der analogen und digitalen Fotografie besitzt Engelage ein sensibles Gespür für spannende aber auch für poetische, narrative Bildmotive.

„Anatomie der Schönheit“ nennt die Künstlerin eine Reihe von schwarz-weißen, teils sepia-brünierten Aufnahmen steinerner Figuren, die sie in den Gärten von Sanssoucis, Versailles und Herrenhausen gemacht hat. Konsequente gesetzte Bildausschnitte und bewusst gewählte Detail rücken die steinernen Protagonisten in den Mittelpunkt und bieten neue Interpretationsansätze.

Ähnlich geht die Fotografin auch bei „Sommerneuschnee“ vor - einer Schwarz-Weiß-Serie von Schneelandschaften, die hinter milchigen Stoffgazen verborgenen sind. Die fein nuancierten Grauabstufungen rufen beim Betrachter nicht winterliche Bilder auf, sondern erinnern an Wüsten- und Körperlandschaften.

Dass ihre fotografischen Bilder von Ideenvielfalt und Experimentierfreude leben, zeigt auch die Foto-Spiegel-Installation „Auge in Auge“, die den Rezipienten zum Mitmachen auffordert. Vor einem Spiegel stehend, sieht sich der Betrachter beim Zukneifen eines Auges, plötzlich mit anderen Augen. Durch die Überblendung einer fremden Augenpaarung im Spiegelbild des eigenen Gesichtes kommt es zu neuen und ungewohnten Eigenwahrnehmungen. Ein Effekt, der unseren Hang zur Äußerlichkeit reflektiert.

In ihrer jüngsten Werkgruppe „Bewegung“ fängt sie Augenblicke ein, wie Menschen auf Rolltreppen fahren, aus U-Bahnen ein- und aussteigen. Im Flughafengebäude von Thessaloniki ist ihre Kamera auf die Füße bzw. Beine von Reisenden gerichtet. Engelage dokumentiert diese Handlungen, setzt sie nebeneinander und schafft dadurch eine eigenartige Rhythmisierung, eine nicht enden wollende Bewegung. Weitere Aufnahmen von Menschen hat Engelage aus einem mallorquinischen Hotelzimmer von einem hohen, leicht seitlichen Standort im starken Schlaglicht aufgenommen. Ihre Schatten heben sich vom groben, mittelgrau changierenden Asphalt kontrastreich ab. So entstehen zum einen ausdrucksstarke Formen mit nervöser Kontur, die Aktion und Dynamik verheißen, zum anderen Figuren, die an Scherenschnitte erinnern.

Kontinuierlich arbeitet die 46-jährige an der Weiterentwicklung ihrer Fotografie, die bestimmten Idealen folgt, weiter: „Wenn du dein Leben lebst, Ziele verwirklichen willst, zählt nicht allein die handwerkliche Arbeit, die Organisation, das Konzept – es geht auch um die Vision, die Sehnsucht nach einem bestimmten Leben, das Ziel vor Augen. Und die Kunst kann uns dabei helfen, Visionen zu entwickeln, sie kann uns inspirieren, wachrütteln, unterstützen, erfreuen.“

Die Ausstellungseröffnung findet am 19. November, 11.00 Uhr, im Hörsaal des Herz- und Diabeteszentrums NRW, Georgstrasse 11, 32545 Bad Oeynhausen, statt.

Zur Einführung spricht die Kunsthistorikerin Frauke Engel aus Hannover. Zur Ausstellung erscheint der ausführliche Katalog: „Jutta Engelage – Fotografische Arbeiten“, 2006.