Bad Oeynhausen,
Gefäßchirurgen am HDZ NRW, Bad Oeynhausen, haben einer 45-jährigen Patientin mit einer lebensbedrohlichen Aortendissektion jetzt mit einer maßgefertigten Gefäßprothese geholfen. Der Eingriff mittels thorakaler endovaskulärer Aortenreparatur mit Seitenarm (TEVAR) wird bisher nur in wenigen deutschen Zentren angeboten.
High Tech an der Aorta
Das minimalinvasive Verfahren führten die Gefäßchirurgen Ernest Danch und Stefan Heisel im Hybrid-OP-Saal des Herz- und Diabeteszentrums NRW (HDZ NRW) durch. Im Brustkorb ihrer Patientin implantierten sie die sogenannte „gebranchte“, mit Seitenarm versehene, individuell angefertigte Spezialprothese für die Aorta.
„Solche Eingriffe zählen zu den besonderen Verfahren in der Gefäßchirurgie. Entscheidend war in diesem Fall, den gefährlichen Einriss in der Aorta zuverlässig zu verschließen und gleichzeitig die Durchblutung des linken Arms sicherzustellen“, sagt Ernest Danch, Leiter der Gefäßchirurgie am HDZ NRW.
Die Dissektion betraf dabei den absteigenden Teil der Aorta ab der linken Armschlagader. Durch den Einriss in der Innenwand der Hauptschlagader war ein zusätzlicher Blutfluss in die mittlere Wandschicht entstanden. Dies kann dazu führen, dass die Gefäßwand aussackt und wichtige Arterien verschlossen werden – mit der Gefahr schwerer Durchblutungsstörungen.
„Nach präziser Vermessung mittels CT-Angiographie haben wir daher eine individuelle Prothese mit einem einzelnen Seitenarm anfertigen lassen, die sich exakt der Anatomie der Patientin anpasst“, erläutert Oberarzt Stefan Heisel. „Sie wird minimalinvasiv über einen Katheter von der Leiste aus in der Aorta platziert.“
Die verwendete gebranchte Prothese gehört zu den medizinischen Implantaten der Spitzenklasse. Im Gegensatz zu Standardstents können solche künstlichen Gefäßstützen an dieser Stelle des Aortenbogen bis zu drei Seitenarme besitzen, um den Blutfluss in wichtige Abgänge des Körpers für Kopf und Arme zu sichern. Die Spezialanfertigung aus biokompatiblen Materialien stabilisiert die Aorta dauerhaft.
Den Eingriff im Hybrid-OP-Saal des HDZ NRW schlossen die erfahrenen Bad Oeynhausener Gefäßchirurgen innerhalb von 45 Minuten erfolgreich ab. Die Patientin hat sich gut erholt und konnte bereits fünf Tage nach der Implantation das Klinikum wieder verlassen.
Hintergrundinformation:
Was ist eine Aortendissektion?
Wenn die Wände der Hauptschlagader (Aorta) reißen, kann Blut in die Gefäßwand eindringen und diese aufspalten. Ein solcher zweiter Blutkanal kann zu lebensgefährlichen Durchblutungsstörungen oder auch zum Platzen der Aorta führen.
Welche Symptome kündigen die Erkrankung an?
Plötzlich einsetzende, starke Schmerzen, die im Brustkorb sitzen, aber auch – wie beim Herzinfarkt - in den Rücken, in Hals, Kiefer, Bauch oder Schultern ausstrahlen können.
Ursachen:
Häufig eine familiär bedingte Gefäßerkrankung, zu hoher Blutdruck, auch Nikotin zählt zu den relevanten Risikofaktoren.
Therapie:
Die Art der Behandlung hängt davon ab, welcher Abschnitt der Aorta betroffen ist. Beginnt die Dissektion im aufsteigenden Teil der Hauptschlagader (Aorta ascendens), ist immer eine sofortige Notoperation in einem herzchirurgischen Zentrum erforderlich. Betrifft sie den absteigenden Teil der Aorta (descendens), empfiehlt sich - sofern keine Komplikationen aufgetreten sind - zunächst eine Überwachung und medikamentöse Behandlung, bis der Einriss durch einen Stentgraft von innen abgedeckt werden kann.
Weitere Informationen:
Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen
Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum
Medizinische Fakultät OWL (Universität Bielefeld)
Unternehmenskommunikation
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