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Erste Signale nicht unterschätzen

Fazit zur Telefon-Sprechstunde am Weltdiabetestag: Nicht zögern bei Symptomen

Eine Ernährungsumstellung und eine gesunde Lebensweise können schon viel Gutes bewirken. Als komplexe Grunderkrankung erfordert der Diabetes mellitus vor allem aber eine besondere und dauerhafte Achtsamkeit auf vermeintlich harmlose Geschehen wie kleine Wunden, Kribbeln in den Füßen oder Sehstörungen. Denn solche können für Diabetiker schnell zu großen Problemen führen. Soweit der Tenor unserer Leser-Telefonaktion, die am Weltdiabetestag mit vier Oberärzten des Diabeteszentrum am Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), Bad Oeynhausen, stattfand.

„Nein, auf den Kaffee müssen sie nicht verzichten.“ Diese Sorge kann Oberarzt Dr. Michael Hauber der 60-jährigen Anruferin nehmen, die sich Rat suchend aufgrund erhöhter Leberwerte meldet. Unter Diabetikern ist die Fettleber weit verbreitet: Rund 85 Prozent leiden unter der Erkrankung, während im Vergleich zur Normalbevölkerung etwa ein Viertel aller Erwachsenen betroffen sind.

Die Leberwerte GOT und GPT geben dabei im ersten Stadium der Erkrankung bei einer Blutuntersuchung in aller Regel noch keinen Hinweis. „Ein Ultraschall der Leber kann Aufschluss geben“, erläutert Oberarzt Dr. Hauber. „Die gute Nachricht ist, dass die Fetteinlagerungen in den Leberzellen oft rückgängig gemacht werden können“, so der Gastroenterologe. Hauber wie auch Oberärztin Dr. Young-Hee Lee-Barkey empfehlen bei Fettleber, das Gewicht zu reduzieren. Grundsätzlich sollten Menschen mit Diabetes auf ihr Gewicht und eine ausgewogene Ernährung achten, vor allem aber auch auf Bewegung: „10.000 Schritte am Tag sollten es schon sein.“

Eine andere Anruferin (78) leidet neben einer Fettleber zusätzlich an einer chronischen Magenschleimhautentzündung (Gastritis), vermutlich durch Bakterien verursacht.  „Hier wird in der Regel mit säurehemmenden Medikamenten in Verbindung mit speziellen Antibiotika behandelt“, erklärt Hauber. „Wichtig ist es, dass Patienten empfohlene Dosierungen bei Medikamenten einhalten und der Therapieerfolg kontrolliert wird, z. B. durch Atemtest oder Magenspiegelung.“

Die Endokrinologin Dr. Tania-Cristina Costea stand als Ansprechpartnerin zum Thema Schilddrüse und Hormone zur Verfügung. „Ein schon bestehender Diabetes kann die Aktivität bestimmter Hormone beeinflussen.“ Das ist bei einer 58-jährigen Anruferin der Fall, die mit erhöhten Blutzucker- und Cholesterinwerten bislang nicht behandelt wird und bereits seit zehn Jahren an Typ 2-Diabetes leidet. „Voraussichtlich sind hier auch entsprechende Medikamente für die Schilddrüse notwendig, die gut eingestellt werden müssen.“

Deutlich komplexer ist das Krankheitsbild einer Anruferin, die bereits einen Herzinfarkt erlitten hat, an Asthma und Leberzirrhose leidet und bei der die Autoimmunerkrankung Hashimoto sowie eine Gefäßentzündung diagnostiziert wurden. „Je zahlreicher die Begleiterkrankungen sind, die im Zusammenhang mit der Diabeteserkrankung auftreten, umso aufwendiger gestaltet sich meist die Behandlung.“ Deshalb sei es so wichtig, sehr frühzeitig auf kleinste Veränderungen zu achten und die Symptome nicht zu unterschätzen.

Dass schon ein kleiner Kratzer an der Haut zu großen Problemen führen kann, weiß Oberarzt Abdulwahab Arbi, der als Spezialist für Wundheilung Fragen zum Diabetischen Fußsyndrom beantwortet. Ein 83-jähriger Anrufer klagt über eine chronische Wunde an der Ferse, die sich einfach nicht schließen will. Auf Nachfrage erfährt Arbi, dass der Mann seit 20 Jahren Typ-2-Diabetiker und seine Wunde schon viele Monate unbehandelt ist.

„Chronische Wunden oder Wundbrand entstehen aufgrund von Nerven- und Durchblutungsstörungen als schlimme Diabeteskomplikation“, sagt Arbi. Bei Vorliegen einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK), von der eine weitere Anruferin berichtet, schmerzen oft auch die Waden und Füße. Dies sollte mit einer stationären Untersuchung abgeklärt werden, rät Arbi. Dem Anrufer mit der Fußwunde empfiehlt er, ein zertifiziertes ambulantes Wundheilungszentrum aufzusuchen, um die Therapiemöglichkeiten abzuklären.

„Möglicherweise ist es ratsam, spezielles Schuhwerk zu tragen. Moderne Therapieverfahren mittels Vakuumverband, Fischhaut- oder Kaltplasmatherapie fördern die Heilung von langwierigen Wunden. Das darf keinesfalls verschleppt werden, sonst drohen Verformungen und Gelenkversteifungen des Fußes bis hin zur Knochenauflösung oder schlimmstenfalls eine Amputation.“
 



Weitere Informationen:
Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen
Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leitung: Anna Reiss
Georgstr. 11
32545 Bad Oeynhausen
Tel. 05731 97-1955
Fax 05731 97-2028
E-Mail: info@hdz-nrw.de

 

 

 

Fragen um den Diabetes: Die Oberärzte Dr. Michael Hauber, Dr. Young Hee Lee-Barkey, Abdulwahab Arbi und Dr. Tania-Cristina Costea standen den Leserinnen und Lesern des Westfalen-Blatts am Weltdiabetestag Rede und Antwort (Foto: Marcel Mompour).

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