Bad Oeynhausen,
Die endoskopische Ablation
Mehr als 100.000 Ablationen werden jährlich in Deutschland durchgeführt. Mehr als die Hälfte dieser Eingriffe entfällt auf Patienten mit Vorhofflimmern. Doch welche Behandlungsalternativen gibt es, wenn z.B. der Zugang für den Herzkatheter über die Leiste nicht möglich ist?
Während eines Urlaubs in den Bergen leidet Wolfgang Diekmann erstmals unter Luftnot und Herzrasen. Nach der Diagnose Vorhofflimmern werden ihm Medikamente verschrieben. Das ist zwei Jahre her. Die behandelnden Ärzte führten zudem mehrere Eingriffe zur Wiederherstellung eines normalen Herzrhythmus durch, sogenannte elektrische Kardioversionen. Leider trat keine Besserung ein.
Wiederholt auftretende Vorhofflimmer-Episoden und Erschöpfungszustände führten dazu, dass der damals 70-Jährige zu Prof. Dr. Philipp Sommer in die Klinik für Elektrophysiologie/ Rhythmologie im Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), Bad Oeynhausen, überwiesen wurde. Mit rund 2.000 Ablationen jährlich stellt die Klinik deutschlandweit eine besonders hohe Behandlungsqualität sicher.
Diagnose: Vorhofflimmern
Rund eine Million Menschen in Deutschland sind von dieser häufigen Herzrhythmusstörung betroffen, vor allem ältere Patienten. Unbehandelt kann Vorhofflimmern zu Luftnot, eingeschränkter Leistungsfähigkeit und sogar zu chronischer Herzschwäche führen. Zudem ist das Risiko für Schlaganfälle deutlich erhöht. Helfen Medikamente und Kardioversionen nicht, wird eine Herzkatheterablation empfohlen. Bei diesem Verfahren wird ein Katheter über die Leiste bis zum Herzen vorgeschoben, um die fehlerhaften elektrischen Erregungsherde im Herzgewebe mit Strom oder Kälte zu veröden.
Das Problem: Bei Wolfgang Diekmann kam ein solcher Eingriff aufgrund einer früheren Tumorerkrankung nicht in Frage. Deshalb empfahl das Team der behandelnden Spezialisten eine neue minimalinvasive endoskopische Ablation, die am HDZ NRW von der Herzchirurgin und Privatdozentin Dr. Sabina Günther durchgeführt wird. Sie ist Oberärztin in der Klinik für Thorax- und Kardiovaskularchirurgie unter der Leitung von Prof. Dr. Jan Gummert.
„Den Zugang schaffen wir uns mit nur einen Zentimeter kleinen Schnitten – jeweils drei auf der linken und rechten Seite des Brustkorbs“, erläutert Sabina Günther. Die Verödung erfolgt anschließend über die auf diesem Weg zum Herzen vorgeführten Ablationsinstrumente. Der innovative Eingriff dauert in der Regel etwa zwei Stunden und erfolgt unter Vollnarkose. Er wird ausschließlich in spezialisierten Zentren durchgeführt und macht weniger als fünf Prozent aller Ablationen aus. „Endoskopische Ablationen sind immer dann eine Behandlungsoption, wenn ein kardiologischer Herzkathetereingriff wie bei Wolfgang Diekmann nicht möglich ist oder andere Therapien nicht ausreichend erfolgreich waren“, erläutert Günther.
Risikofaktor Herzohr
Während der endoskopischen Ablation wird außerdem das linke Vorhofohr am Herzen mit einem Clip verschlossen. Den Grund erläutert Sabina Günther: „80 bis 90 Prozent aller durch Blutgerinnsel verursachten Schlaganfälle haben ihren Ursprung im Herzohr. Durch diesen einfachen zusätzlichen Eingriff können wir das Schlaganfallrisiko nicht nur massiv senken, sondern teilweise den Patienten auch dauerhaft blutverdünnende Medikamente ersparen.“ Auch bei Patienten mit langanhaltendem Vorhofflimmern gelinge es mit dieser Technik in einem großen Teil der Fälle, einen stabilen Sinusrhythmus herzustellen, betont Günther.
Herzwochen-Thema am 11. November
Innerhalb eines spezialisierten Konsortiums (Hy5) arbeiten und forschen PD Dr. Sabina Günther und Prof. Dr. Philipp Sommer gemeinsam mit weiteren Partnern der Herzmedizin an neuen Behandlungsstrategien für Patientinnen und Patienten mit Vorhofflimmern. Die Erkrankung steht zudem im Mittelpunkt der diesjährigen Herzwochen, zu dem das HDZ NRW am 11. November um 17 Uhr eine Informationsveranstaltung für Betroffene und Angehörige anbietet.
Neun Monate nach dem Verfahren zieht Wolfgang Diekmann eine klare Bilanz: „Ich würde die endoskopische Ablation wieder durchführen lassen.“ Der nächste Urlaub sei bereits geplant und seine Lebensqualität habe sich spürbar verbessert – ein Beispiel dafür, wie moderne minimalinvasive Verfahren neue Perspektiven für Patienten mit komplexen Herzrhythmusstörungen eröffnen können. Info: www.hdz-nrw.de
Weitere Informationen:
Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen
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