Herzmuskelerkrankungen

Myokarditis

Unter Myokarditis versteht man eine akute oder chronische Entzündung des Herzmuskels, die meist durch eine Virusinfektion ausgelöst und teilweise unterhalten wird. Es gibt mehr als 20 verschienene Viren, die eine Myokarditis verursachen können.

Im Myokarditis-Labor kann festgestellt werden, ob die bei einem Patienten aufgetretene Herzschwäche auf einer chronischen Entzündung des Herzmuskels beruht. Im Gefolge eines viralen Infektes z.B. einer Grippe kann es beim Menschen auch zu einer Entzündung des Herzmuskels kommen. Die Herzmuskelentzündung kann akut auftreten und innerhalb weniger Tage zu einer ausgeprägten Herzschwäche bis hin zum Herzversagen führen. Meistens verlaufen diese Herzmuskelentzündungen aber chronisch-schleichend, und die Patienten verspüren erst nach Wochen oder Monaten eine Herzschwäche, manchmal auch ohne daß sie sich an einen grippalen lnfekt erinnern können.

Erfreulicherweise gelingt es der körpereigenen Abwehr in über 80%, den Virus wieder aus dem Herzmuskel zu eliminieren, indem die Herzmuskelzellen, die vom Virus befallen sind, absterben. Dies führt zu einer Ausheilung der akuten und auch der chronisch-larvierten Herzmuskelentzündung. Gelingt es dem Körper nicht, die Viren aus dem Herzmuskel zu entfernen oder die Infektion zu beherrschen, entsteht eine anhaltende chronische Entzündungsreaktion, die den Herzmuskel weiter schädigt. Bei diesen Patienten kommt es meistens zu einer chronischen Herzschwäche mit Herzschmerzen, Luftnot, Wassereinlagerungen und Herzrhythmusstörungen, wobei die Krankheitsbilder sehr unterschiedlich aussehen können. Die Herzschwäche kann soweit voranschreiten, daß eine Herztransplantation erforderlich wird.

Bevor abgeklärt werden kann, ob eine chronische Herzmuskelentzündung die Ursache der Herzschwäche ist, muß zunächst durch eine kardiologische Untersuchung einschließlich einer Herzkatheteruntersuchung festgestellt werden, ob die Herzschwäche nicht Folge einer koronaren Herzkrankheit, eines langbestehenden Bluthochdrucks oder eines Herzklappenfehlers ist.

Da eine akute oder chronische Herzmuskelentzündung nur am Herzmuskelgewebe selbst zu diagnostizieren ist, ist es bei Verdacht auf das Vorliegen einer derartigen Herzerkrankung notwendig, dem Patienten während einer Rechtsherzkatheteruntersuchung 6-8 stecknadelkopfgroße Gewebeproben aus dem rechten Herzen zu entnehmen, die dann mit Spezialmethoden weiter untersucht werden. Die Entnahme der Herzmuskelproben ist schmerzlos und in geübten Händen nur mit einem minimal höheren Risiko verbunden als bei einer Rechtsherzkatheteruntersuchung ohne Herzmuskelprobenentnahme.

Zwei bis drei der kleinen Herzmuskelbiopsien werden in unserem Labor (Myokarditislabor) mit speziellen (immunhistologischen) Färbeverfahren gemäß der von Kühl u. Mitarbeitern entwickelten und von ihm bei uns installierten Methoden untersucht. Der Vorteil gegenüber der üblichen Gewebeuntersuchung kommt durch den Einsatz sehr sensitiver spezifischer Antikörper gegen zahlreiche am Entzündungsprozeß beteiligter Antigene zustande. Durch Differenzierung, Charakterisierung und Quantifizierung der im Herzmuskelgewebe vorliegenden Zellen (z.B. Leukozyten, B-Zellen, Makrophagen, natürliche Killerzellen, Fibroblasten, Endothelzellen) ist eine sehr genaue Beurteilung des Entzündungsprozesses im Herzmuskel möglich. Der Nachweis von Entzündungs- und Aktivierungsmarker bildet neben der Quantifizierung der Zellinfiltrate das zweite wichtige immunhistochemische Merkmal eines aktiven immunologischen myokardialen Entzündungsprozesses.

Zusätzlich werden zwei bis drei Biopsien im Labor von Dr. Wolff/Prof. Kleesiek mittels molekularbiologischer Techniken (reverse Transkriptions-Polymerasekettenreaktion) entsprechend den Untersuchungsergebnissen und Berichten von Pauschinger et al dahingehend untersucht, ob in den Herzmuskelproben Genmaterial (virale RNA) von Enterokokken, Coxsackie oder Adenoviren vorhanden ist, was beweist, daß vermehrungsfähige Viren im Herzmuskel vorhanden sind. Desweiteren werden aus dem Blut des Patienten Faktoren (Zytokinmuster) bestimmt, die anzeigen, welche Art von Immunantwort (z. B. Th 1 oder Th 2) auf die chronische Entzündung im Blut des Patienten erkennbar ist. Daraus läßt sich abschätzen, ob die Entzündung von selbst ausheilt oder ob eine spezifische medikamentöse Behandlung erforderlich ist.

Die daraus resultierenden Ergebnisse ermöglichen heute somit eine biopsiegesteuerten Einteilung und entsprechende Behandlung der chronischen entzündlichen Herzmuskelerkrankungen. Da die chronische entzündliche Herzmuskelerkrankung bei einem hohen Prozentsatz der Patienten spontan ausheilt, wird mit der spezifischen Behandlung meistens erst begonnen, wenn in einer zweiten Herzmuskelprobe, die 4-6 Monate nach der ersten entnommen wird, immer noch Entzündungszeichen nachweisbar sind.

Die genannten Erkrankungen bedürfen einer Therapie mit Medikamenten, Physiotherapie und gesunder Lebensweise.


Endokarditis

Die lebensbedrohliche Entzündung der Herzinnenhaut (Endokard) wird durch Bakterien oder Pilze verursacht. Unbehandelt verläuft die Erkrankung stets tödlich. Die Kardiologische Klinik des Herz- und Diabeteszentrums Nordrhein-Westfalen hat sich in den vergangenen Jahren zu einem nationalen Schwerpunkt zur Behandlung dieser sehr schweren Herzerkrankung entwickelt.

Obwohl die von uns behandelten Patienten überdurchschnittlich schwer erkrankt sind, da sie oft erst nach dem Auftreten schwerwiegender Komplikationen wie Schlaganfall, Embolien verschiedener Organe, hochgradiger Klappenschlussunfähigkeiten, lokal unkontrolliert verlaufende Infektion, Rhythmusstörungen und Überleitungsblockierungen, akutem Nierenversagen übernommen werden und auch der Prozentsatz von Patienten mit Infektion künstlichen Materials (z.B. künstliche Herzklappen, Schrittmacherelektroden) besonders hoch ist, konnte die Sterblichkeit durch eine gemeinsame Anstrengung mit unseren Herzchirurgen auf unter 5% gesenkt werden. Dies ist bei einer Sterblichkeitsangabe in der Literatur für Mitteleuropa von 30-40% ein herausragendes Ergebnis. Neben der engen Kooperation mit den Herzchirurgen ist für dieses günstige Ergebnis auch die enge Kooperation mit der rund um die Uhr besetzten Mikrobiologie unseres Hauses verantwortlich. Der Direktor der Kardiologischen Klinik, Prof. Dr. Dieter Horstkotte, ist Vorsitzender der Arbeitsgruppe „Endokarditis“ der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie.

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