Der deutsche Arzneimittelmarkt ist einer der umfangreichsten weltweit. Fast 60.000 Medikamente sind zugelassen. Das ist ein Vielfaches der Produktpalette, die in unseren europäischen Nachbarländern verfügbar ist. Deshalb ist es besonders wichtig, dass sich das pharmazeutische Personal der Apotheke bestens mit dem verfügbaren Sortiment auskennt. Es reagiert sofort auf Veränderungen und Lieferengpässe, gewährleistet so eine optimale Arzneimittelversorgung bei hoher Qualität zu besten Preisen.

Logistik

Ca. 75.000 Arzneimittelpackungen sind ständig im Hauptlager der Apotheke vorrätig. Dazu zählen auch Infusionslösungen, parenterale Ernährung, Trink- und Sondennahrung oder Desinfektionsmittel. 1,2 Mio. Packungen werden pro Jahr in der Apotheke umgeschlagen. Die Vorratsmengen in der Apotheke und im Medizinischen Lager decken in etwa den Bedarf für einen Zeitraum von 3 bis 4 Wochen ab. Innerhalb kürzester Zeit besorgt die Apotheke zusätzliche Medikamente auf Sonderanforderung - mitunter auch aus dem Ausland.

Zusätzlich beliefert die Apotheke über 4.500 Betten in 19 Fremdhäusern in Bad Oeynhausen und der näheren Umgebung. Die Zahl der zu versorgenden Stationen und Funktionseinheiten beträgt insgesamt ca. 150.

Jährlich werden etwa 450.000 Positionen an die Stationen verteilt - "just in time" dank eines gut organisierten Zentraldienstes in der Apotheke, der dafür sorgt, dass der richtige Patient, das richtige Arzneimittel, in der richtigen Dosierung, in der richtigen Arzneiform, zum richtigen Zeitpunkt, richtig informiert und dokumentiert erhält.

Die Auswahl der einzukaufenden und vorrätig zu haltenden Arzneistoffe und Darreichungsformen wird in Zusammenarbeit mit den Chefärzten der einzelnen Abteilungen und Krankenhäuser in der Arzneimittelkommission getroffen. Die Festschreibung dieser Entscheidungen erfolgt in der Arzneimittelliste.
Die Präparate werden dann durch die Apotheke unter Berücksichtigung der galenischen Qualität, der Arzneimittelsicherheit und der Wirtschaftlichkeit ausgewählt.

Mindestens zweimal im Jahr werden die zu beliefernden Stationen und Funktionsbereiche von Apothekern/innen besucht, um die Lagerung der Arzneimittel und Medizinprodukte zu überprüfen. Gleichzeitig nutzen sie die Gelegenheit um für Fragen rund um die Arzneimittel- und Medizinprodukteversorgung zur Verfügung zu stehen.

Für die Erfassung der Anforderungen und der Erstellung von Monatsrechnungen steht der Apotheke das Materialwirtschaftsprogramm „Orbis“ zur Verfügung.

Verbrauchsstatistiken für die Einrichtungen oder auch einzelne Stationen/Funktionsbereiche können durch die Apotheke kurzfristig oder auf Wunsch auch regelmäßig bereitgestellt werden.

Arzneimittelinformation

- umfassend, aktuell, kurzfristig -

Um die vielfältigen Anfragen seitens der Ärzte und des Pflegepersonals zur Pharmakologie und Toxikologie von Arzneistoffen umfassend und kurzfristig beantworten zu können, pflegt die Apotheke eine umfangreiche Arzneimitteldokumentation (eigene Dokumentationsdatenbank, ABDA-Datenbank, Standardinformationen, Fachinformationen, Informationsschriften, Zeitschriften etc.) und kann so aktuelle Literaturrecherchen innerhalb kurzer Zeit ermöglichen. Wichtige Mitteilungen aus der Fachpresse - insbesondere Arzneimittelrückrufe - werden den Stationen und Funktionsbereichen schnellstmöglich weitergegeben. In einem Mitteilungsblatt - dem 'Apothekenkurier' - werden die Ärzte und das Pflegepersonal über Neuerungen und Änderungen informiert. „Kurzmitteilungen“ bzgl. Umstellungen von Präparaten oder Anwendungshinweisen werden den entsprechenden Lieferungen direkt zur Information beigelegt.

Bei Bedarf können von uns selbst ausgearbeitete Listen zur Sondengängigkeit von Arzneimitteln, Haltbarkeit von Arzneimitteln nach Rekonstitution bzw. Anbruch, Kompatibilitäten im Katheter etc. angefordert werden.

Des Weiteren bieten wir eine Wundfibel mit Empfehlungen für die Behandlung sekundär heilender Wunden an.

Herstellung von Arzneimitteln in der Apotheke - „Rezeptur“ und „Defektur“

- standardisiert, handgemacht, unersetzlich -

In der Apotheke vereinen sich moderne Medizin mit traditionellem Apothekenhandwerk. Hier entstehen Produkte, die von der pharmazeutischen Industrie nicht angeboten werden. Mit diesem Lückenschluss fertigen wir manuell  jährlich über 700 Rezepturen und 200 Defekturen wie Kapseln, Zäpfchen, Salben und Cremes, Lösungen, Suspensionen und Emulsionen. Ständig sind in der Zentralapotheke ca. 30 eigene Produkte vorrätig. Die Präparate werden nach standardisierten, geprüften und von einer/m Apotheker/in freigegebenen Vorschriften zubereitet.

Individuell versorgt die Apotheke beispielsweise kleine Patienten, für die meist keine industriellen Präparate in niedrigen Dosierungen verfügbar sind. Hier sind vor allem Kapselzubereitungen gängig.

Einzelanfertigen bekommen auch die Probanden in klinischen Studien.

Alle Rezepturen werden vor der Produktion auf Plausibilität überprüft. Erst wenn die Rezeptur nach der Herstellung durch eine/n Apotheker/in  freigegeben wurde, gelangt sie zum Patienten. In besonderen Fällen erarbeitet die Apotheke in Kooperation mit Ärzten und Pflegepersonal patientenspezifische Zubereitungen.

Sterile Herstellung und Zytostatika

- präzise, sicher, individuell –

Zytostatika werden unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen in der Apotheke applikationsfertig zubereitet, um Ärzte und Pflegepersonal bestmöglich vor der Kontamination mit diesen - nicht unproblematischen - Stoffen zu schützen. Neue Reinräume sind in 2014 fertiggestellt worden. Die Zentralisierung spart Kosten, da nur eine Sicherheitswerkbank zentral nötig ist, gewährleistet eine gleichbleibende Qualität, da nach festgelegten Vorschriften gearbeitet wird, und entlastet das Pflegepersonal.
Auf die Kompetenz der Abteilung vertrauen die zu versorgenden Stationen des Herz- und Diabeteszentrum NRW und die versorgten Fremdhäuser. Die Apotheker/-innen beraten Ärzte und Pflegepersonal zu Zytostatika sowie über die Begleitmedikation bei Chemotherapien. Zum Aufgabenbereich gehören weiterhin Plausibilitätskontrollen ärztlicher Verordnungen wie auch Schulungen über spezielle Vorschriften des Arbeits- und Personenschutzes beim Umgang mit Zytostatika.

Qualitätssicherung

- analytisch, sicher, zuverlässig -

Jede angelieferte Ausgangssubstanz,  jedes im Voraus selbst hergestellte Medikament wird in der Zentralapotheke  umfassend geprüft. Wir setzen dafür moderne Analysegeräte ein:

  • UV-VIS-Spektrometer
  • FT IR-Spektrometer
  • Osmometer
  • Refraktometer
  • Polarimeter
  • Dichtemessgerät
  • pH-Meter


Mit komplexen physikalischen und chemischen Verfahren werden Identität-, Reinheits- und Gehaltsprüfungen auf das Genaueste durchgeführt. Aber nicht nur die Arzneimittel sind intensiven Kontrollen unterworfen, auch die Produktionsbedingungen im Herstellungsbereich der Apotheke werden kontinuierlich überwacht, z.B. durch mikrobiologisches Monitoring sowie Prüfung der Partikelzahlen. Der Patient profitiert von höchster Arzneimittelsicherheit.

Ferner erfolgt hier die Untersuchung von Stichproben industriell hergestellter Arzneimittel aus Sicherheitsgründen und bei Verdacht auf Qualitätsmängel.

Sehr selten können Präparate im klinischen Alltag individuelle und unvorhersehbare unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAWs) verursachen. Dann wird sofort unser Sicherheitsnetzwerk aktiv. Die Apotheke meldet diese Fälle an die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker. Unverzüglich werten Experten die Informationen aus und leiten gegebenenfalls bundesweite Maßnahmen ein. Werden Chargenrückrufe nötig, so zieht die Apotheke die Packungen schnellstmöglich aus dem Verkehr.