Hintergrund

Die arrhythmogene rechtsventrikuläre Kardiomyopathie (ARVC/D) ist charakterisiert durch den fortschreitenden Verlust von Herzmuskelzellen, die durch Fett- und Bindegewebszellen ersetzt werden. Insbesondere der rechte Ventrikel ist häufig vom Kardiomyozytenverlust betroffen. Zunehmend werden aber auch biventrikuläre pathologische Veränderungen des Herzmuskels beschrieben. Vernarbungen und fibrolipomatöse Veränderungen der Ventrikelwände und des Septums verursachen Arrhythmien, Synkopen, Herzinsuffizienz und als extreme Form einen plötzlichen Herztod (SCD) auch schon im Kindesalter. 30-80% der Erkrankungen gehen auf eine genetische Prädisposition zurück. In der Mehrzahl der Fälle wird ARVC autosomal-dominant vererbt mit unvollständiger Penetranz und unterschiedlicher klinischer Ausprägung.

Familiäre ARVC steht im Zusammenhang mit Mutationen in den Genen, die für die Proteine Desmoplakin, Plakophillin, Desmoglein 2, Desmocollin 2 und Plakoglobin kodieren. In 30-50% der ARVC-Patienten ist aufgrund einer molekulargenetischen Untersuchung der desmosomalen Gene eine (oder mehrere) Mutation(en) nachweisbar. Es sind weitere nicht desmosomale Gene bekannt, die mit der Entstehung einer ARVC im Zusammenhang stehen. Davon sind die Gene für Desmin und das Transmembranprotein 43 (TMEM43) von besonderer Bedeutung.

Indikation zur genetischen Untersuchung

Positive Familienanamnese, Einstufung der ARVC nach Task Force Kriterien der ESC, Fälle von plötzlichem Herztod in der Familie, rechts- oder biventrikuläre Dilatation.

Untersuchungsumfang

Da zunehmend das gleichzeitige Auftreten von mehreren Mutationen in ARVC-relevanten Genen beschrieben wird, werden die Gene für die Proteine Desmoglein 2 (DSG2), Desmocollin 2 (DSC2), Plakophillin 2 (PKP2), Plakoglobin 2 (JUP), Desmoplakin (DSP), Desmin (DES) und Transmembranprotein 43 (TMEM43) parallel sequenziert. Die Dauer der gesamten Untersuchung beträgt 6-8 Wochen.

Weiterführende Informationen

www.ncbi.nlm.nih.gov: OMIM-Datenbank Nr: 602861, 609040, 125671, 125647
www.orpha.net: The portal for rare diseases and orphan drugs

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