Hämochromatose

Die Hämochromatose ist eine chronische Störung mit erhöhter Eisenspeicherung, die in ihrer Symptomatik zunächst uncharakteristisch ist. Sie sollte insbesondere als Ursache jeder unklaren Hepatopathie in Betracht gezogen werden. Dies umso mehr, da bekannt ist, dass sie die häufigste autosomal-rezessiv vererbte Erkrankung ist.

In 52 bis 100% der Patienten findet sich eine Mutation (C282Y) in homozygoter Form im sogenannten HFE-Gen. Die Häufigkeit heterozygoter Mutationsträger in der Bevölkerung wird mit etwa 8% angegeben. Die Mutation in heterozygoter Form (Anlageträger) führt nicht zu einer Hämochromatose, jedoch kann dies der Fall bei Vorliegen einer weiteren Mutation auf dem anderen Chromosom sein (Compound-Heterozygotie). Die Mutation H63D findet sich bei etwa 7% der Hämochromatose-Patienten und ist daher in homozygoter und compound heterozygoter Form mit einem leicht erhöhten Risiko für Hämochromatose verbunden (Odds ratios: 6,2 und 1,6).

Das HFE-Gen kodiert ein den HLA-Molekülen ähnliches Protein. Es ist auf der Zellmembran lokalisiert und hat eine Kofaktorfunktion bei der Eisenresorption. Bei Vorliegen der homozygoten Mutation C282Y ist die Resorption etwa um das Dreifache begünstigt.

Eine frühzeitig veranlasste Mutationsdiagnostik kann durch Einleiten einer Aderlasstherapie die Entwicklung des vollen Krankheitsbildes der Hämochromatose verhindern.

Wenn gleichzeitig die HFE-Gen-Mutation vorliegt, wird bei Hepatitis C die Entwicklung einer Leberzirrhose begünstigt.

Bei Frauen scheint das Risiko für den Myokardinfarkt wie auch für cerebrovaskuläre Erkrankungen durch die HFE C282Y-Mutation leicht erhöht zu sein (OR 2).

Morbus Wilson

Morbus Wilson ist eine autosomal-rezessiv vererbte Erkrankung, der eine Kupferüberladung verschiedener Organe zugrunde liegt. Aufgrund von genetischen Defekten im ATP7B-Gen ist die Ausscheidung von Kupfer über die Gallenwege gestört, so dass es in mehreren Organen, vor allem aber in der Leber, gespeichert wird. Eine Frühdiagnose kann die Ausprägung von Symptomen durch Einleitung einer die Kupferausscheidung fördernde Therapie verhindern.

Bisher sind mehr als 50 verschiedene Mutationen im Morbus Wilson assoziierten ATP7B-Gen bekannt. Die häufigste Mutation (H1069Q) findet sich bei 30 bis 50% der Patienten in Europa. Es kommt aber nur zur Erkrankung, wenn die Mutation in homozygoter oder compound heterozygoter Form, d.h. zusammen mit einer weiteren Mutation vorkommt. Heterozygote Allelträger finden sich in ca. 1 % der Bevölkerung; sie erkranken nicht.