Der Begriff Delir kommt von dem lateinischen Wort „delirare“, und dies bedeutet wörtlich übersetzt „aus der Spur geraten“. Nach Herzoperationen tritt bei einigen Patienten ein Delir auf. Häufig verwendete Begriffe sind Durchgangssyndrom, Verwirrtheitszustand oder akutes organisches Psychosyndrom.

Akute Veränderungen

Das Delir ist eine vorübergehende Störung des Gehirns. Das Gehirn arbeitet durch das Zusammenwirken von über 20 Milliarden Nervenzellen. Leistungen wie das Koordinieren von Bewegung ebenso wie die Regulation der Gefühlswelt, der Wahrnehmung (z.B. Hören, Sehen, Fühlen) sowie das Lenken der Aufmerksamkeit z.B. auf ein Geräusch, müssen vom Gehirn angeregt und verar-beitet werden. Im Zustand des Delirs kommt es akut zu gleichzeitigen Veränderungen in verschiedenen Leistun-gen des Gehirns:

 

1. Bewusstsein

Es kann zu einer leicht reduzierten Aufmerksamkeit bis hin zu einem ganz in sich versunkenen Zustand kommen.

 

2. Denken

Das Denken erscheint ungeordnet, das Reden manchmal weitschweifig und am Thema vorbei. Bezüglich der Zeit und des Ortes sind die Patienten verwirrt, berichten von optischen Halluzinationen (sehen zum Beispiel Schatten, Gegenstände oder Menschen, die andere nicht erkennen können) und insbesondere das Kurzzeitgedächtnis kann Schwächen zeigen. Manche Patienten fühlen sich auch verfolgt oder bedroht.

 

3. Bewegung

Häufig zeigt sich ein untypisch vermehrter oder verminderter Drang sich zu bewegen, ein rascher Wechsel zwischen beiden und verlängerte Reaktionszeiten.

 

4. Schlafen

Die Patienten berichten von Ein- und Durchschlafstörungen, Schläfrigkeit am Tage, Verschlimmerung aller Symptome nachts, von einer Umkehr des Schlaf-Wach-Rhythmus oder von Albträumen.

 

5. Gefühle

Eine vielseitige Mischung von Emotionen kann auf die Patienten einfluten: Depression, Angst und Furcht, Reizbarkeit, Aggression, Euphorie (unverhältnismäßige Begeisterung) und Apathie (plötzliche Teilnahmslosigkeit) können einander abwechseln.

Die Veränderungen sind im Verlauf nicht immer gleich ausgeprägt, sie wechseln häufig in der Intensität. Das Delir tritt somit in verschiedenen Erscheinungsformen auf. Manche Patienten verhalten sich sehr unruhig, andere hingegen sind eher sehr still und in sich gekehrt.

Meist beginnen die oben beschriebenen Symptome ein bis drei Tage nach dem Eingriff. Die Dauer ist in der Regel auf einige Tage begrenzt. Ein postoperatives Delir bedeutet nicht, dass diese neurologischen Einschränkungen dauerhaft bestehen bleiben. Wenn Sie vor dem Eingriff beschwerdefrei waren, dann ist die Wahrscheinlichkeit einer kompletten Heilung sehr hoch. 

Üblicherweise haben die Patienten keine, sehr bruchstückartige oder auch verzerrte Erinnerungen an diese Zeit der Verwirrung. Die während des Delirs wahrgenommenen, möglicherweise beängstigend erlebten Ereignisse können jedoch sehr belastend sein und die persönlichen Verarbeitungs- und Bewältigungsmöglichkeiten überfordern. Dies ist eine häufige Reaktion auf diese außergewöhnliche Situation. Auch für Angehörige ist diese Zeit belastend, da sie meist überrascht von den Symptomen sind und Sorge haben, ihr Angehöriger werde nun "verrückt" oder dement.

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