LVAD, BVAD und TAH werden mehr und mehr als Brücke zur Herztransplantation genutzt. VADs werden zusätzlich aber auch als sogenannte Destination Therapie, also als dauerhafte unterstützende Therapie des insuffizienten Herzens implantiert. Der Erfolg der mechanischen Unterstützung ist unter anderem abhängig von der Adhärenz bzgl. des mechanischen Systems, der Dichte der medizinischen Follow-up Untersuchungen sowie der Akzeptanz, dass das „normale“ Leben mit VAD weit entfernt ist von der bekannten vorherigen Normalität. Psychologische Items wie effektive Coping-Strategien, Resilienz, sorgfältige Achtsamkeit und soziale Unterstützung durch die Familie und Freunde helfen mit diesen außergewöhnlichen Umständen umzugehen.

Wann ist eine Mitbehandlung sinnvoll?

Durch das psychologische Gespräch kann vor der Implantation gemeinsam die Operationsmotivation reflektiert werden oder eigene Ressourcen herausgearbeitet werden, die den Patienten die erste Anpassung an das Leben mit dem VAD erleichtern. In der direkten postoperativen Phase besteht ein Risiko für psychotische Episoden und posttraumatische Belastungsstörungen. Die psychischen Reaktionen darauf können zeitnah behandelt werden und eine schnelle Entlastung des Patienten erreicht werden. Die zunächst deutliche Verbesserung der Lebensqualität (Luftnot, Mobilität) kann später abgelöst werden durch die Wahrnehmung der Einschränkung der Autonomie, was für einige Patienten eine Belastung darstellt.

Eine langfristige psychologische Mitbehandlung der Angehörigen kann helfen, die Schwierigkeiten - die erst zu Hause im Laufe der Zeit auftauchen - zu bewältigen. Es besteht ein ein Risiko für die Entstehung von Ängsten (vor Fehlfunktionen, Infektionen, Apoplex) und Depressionen. Auch die vom Patienten empfundene  Abhängigkeit (Gerät, Angehörigen, Institutionen) kann als Stressor wirken. Durch eine Langzeitmitbehandlung kann man diesen Entwicklungen vorbeugen, daher ist auch eine Beratung zur Suche eines Psychotherapeuten für die ambulante Weiterbehandlung hilfreich oder kurze Kontakte zu den Ambulanzterminen.

Zu beachten bleibt das Angebot der Mitbehandlung der Angehörigen, die ebenfalls sowohl in der akuten Phase rund um die Operation als auch im weiteren Verlauf ein erhöhtes Risiko (25%) für posttraumatische Belastungsstörungen haben.  

Des Weiteren wird bei Bedarf eine neuropsychologische Mitbehandlung durchgeführt. Die Neuropsychologie beschäftigt sich mit den Funktionen des Gehirns, wie dem Denkvermögen, der Aufmerksamkeit, dem Gedächtnis, dem Sprachvermögen, etc. den motorischen Fähigkeiten. Vor Beginn einer Therapie führt der Neuropsychologe zuerst eine ausführliche neuropsychologische Untersuchung durch, um einen detaillierten Überblick über die vorhandenen Probleme, aber auch die Stärken zu gewinnen. Der zeitnahe Beginn dieser Therapie bereits im Akutkrankenhaus kann neurologische Defizite verringern und die Eigenständigkeit der Patienten schneller fördern.

Da die VADs auch als dauerhafte Unterstützung des Herzens implantiert werden, können sich nach Jahren des zufriedenen Lebens mit dem VAD in der palliativen Situation zu Lebensende die psychologischen Bedürfnisse der Patienten verändern. Auch in dieser Zeit kann eine Mitbehandlung wertvoll sein kann, um z.B. über Ängsten oder andere persönliche Gedanken ins Gespräch zu kommen.

Was kann man mit der Behandlung erreichen?

Über die Linderung der Symptome hinaus kann die psychologische Behandlung Ressourcen zur Wiedererlangung von Normalität, Selbstsicherheit und emotionaler Stabilität stärken. Durch diese Faktoren wird das Erlangen von Unabhängigkeit, also das Ausüben von täglichen Aktivitäten sowie die vom Patienten selbst  wahrgenommene Kontrolle über sein Leben, die als Indikator für Lebensqualität am System gilt, unterstützt.