Die Herztransplantation hat sich in den letzten 40 Jahren zu einem Standardverfahren in der chirurgischen Behandlung der terminalen Herzinsuffizienz entwickelt. Auf Grund der begrenzten Verfügbarkeit von Spenderorganen werden derzeit weltweit nur etwa 3000 Herztransplantationen pro Jahr durchgeführt.

Psychische Belastung in der Wartezeit

Die Hauptprobleme liegen heute nicht mehr im operationstechnischen Bereich, sondern in der Vermeidung akuter und chronischer Abstoßungsreaktionen, den unerwünschten Wirkungen der Immunsuppression und dem zunehmenden Mangel an Spenderorganen.

Sowohl die Wartezeit als auch die verschiedenen Phasen nach der Transplantation können erhebliche psychische Belastungen für die Patienten und deren Angehörigen bedeuten.

Mögliche psychische Belastungen in der Wartezeit zur TX

  • Ungewissheit bezüglich des Zeitpunktes der Transplantation, immer in Alarmbereitschaft sein
  • den eigenen Leistungsabbau spüren, Luftnot, Verlust von Autonomie und Kontrolle
  • Auslösungen des Defibrillators
  • Rollenumkehr in der Familie
  • Schuldgefühle über das Warten auf den Tod eines anderen Menschen
  • Operationsängste, Todesängste
  • Einsatz Assist-System: hohes Risiko für psychotische Episode und PTBS

Mögliche psychische Belastungen in der stationären TX-Zeit

  • Verarbeitung eines eventuellen postoperativen Delirs
  • Ängste vor Organfehlfunktionen oder Abstoßung
  • Emotionale Annahme des neuen Organs „Aus dem Fremden wird das Eigene“
  • Spenderphantasien
  • Immunsuppression, Mobilität, Genesung

Mögliche psychische Belastungen in der TX-Nachsorgezeit

  • Ambivalenz: Freude über das neue Herz und auf das Leben zu Hause – Angst vor dem neuen noch fremden Leben
  • Angst vor dem Fehlen des medizinischen Kontrollsystems
  • Anpassung an Selbstständigkeit und Unabhängigkeit/ gewohnte Krankenrolle mit all seinen Vorteilen aufgeben
  • lebenslange immunsupressive Therapie mit seinen möglichen Risiken, Einschränkungen und Nebenwirkungen
  • Angst und Bedenken bzgl. der weiteren Lebensqualität (z.B. bzgl. der Arbeitssituation)
  • Lebenslange Abhängigkeit vom ärztlichen Team
  • Veränderung der Rollen und Aufgabenverteilung innerhalb der Familie
  • Durchleben der möglichen ersten Abstoßung und damit den wiederkehrenden Ängsten der präoperativen Zeit
  • Compliancestörungen

Psychologische Mitbehandlung ist notwendig und entlastet

Die Prävalenz einer Depression bei herzinsuffizienten Patienten beträgt z. B. bis zu 25%, die Wahrscheinlichkeit der Entwicklung einer posttraumatischen Belastungsstörung nach einer Herztransplantation oder Herzunterstützungsimplantation liegt bei 20%.

Nach § 10 Abs. 2 Transplantationsgesetz (TPG) sind daher „Die Transplantationszentren (…) verpflichtet, (…) 5. vor und nach einer Organübertragung Maßnahmen für eine erforderliche psychische Betreuung der Patienten im Krankenhaus sicherzustellen (…)“.

Die psychologische Mitbehandlung in der prä- wie postoperativen Phasen ist daher eine notwendige und entlastende Tätigkeit. Sie besteht aus der präoperativen Diagnostik und psychologischen Evaluation bei Herztransplantationspatienten und Kunstherzpatienten, der psychologischen Versorgung auf der Warteliste zur HTX, der psychologischen perioperative Behandlung und der psychosozialen Nachsorge der Herztransplantierten und Kunstherzpatienten durch Interventionen, die auf wissenschaftlichen Theorien basieren und in ihrer Komplexität und Effektivität überprüfbar sein müssen.   Daher hat die wissenschaftliche Arbeit in diesem Themenfeld zur spezifizierten evidenzbasierten medizinpsychologischen Behandlung einen wichtigen Stellenwert in unserer Klinik. Hinzu kommt, dass auch die psychologische Beratung und Begleitung von Angehörigen, die Ängste und große akute Belastungen bewältigen müssen, während dieser schwierigen Phasen als hilfreich angesehen wird dringend benötigt wird.

Angehörigen Betreuung

Die Angehörigen der HTx-Patienten mit in den Blick genommen werden. Sie tragen in der Regel die Entscheidungen zum neuen Herzen mit. Besonders auch die Kinder von Patienten brauchen ein Augenmerk. Zum einen gilt es darum, ihnen kindgerecht eine Herztransplantation zu erklären. Im Hause ist das Buch "Papa und sein neues Herz" entstanden, das für 5 Euro am Empfang des HDZ NRW erworben werden kann. Zum andern müssen Kinder trotz Erkrankung eines Familienmitgliedes eine eigene Form der "Normalität" halten und entwickeln dürfen. Sie können jederzeit das psychologische Team ansprechen, wenn Sie hier Unterstützung und Rat brauchen.