Viele Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden - ähnlich den "Krebserkrankungen" - von dem Betroffenen als lebensbedrohlich und die persönliche Lebensqualität nachhaltig beeinträchtigend empfunden. Dies gilt insbesondere für den Herzinfarkt, fortgeschrittene Herzklappenerkrankungen, Pumpleistungsstörungen (Herzinsuffizienz) oder lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen.

Leistungsspektrum

Es ist gut nachvollziehbar, dass bei Vorliegen einer dieser Erkrankungen der Mensch in seiner Gesamtheit betroffen ist: zu den körperlichen Beeinträchtigungen z.B. durch Luftnot, Rhythmusstörungen, abnehmende Belastbarkeit gesellen sich daher oft Gefühle der Verunsicherung, der Niedergeschlagenheit oder Ängste. Nicht wenige Patienten fühlen auch nach Herzoperationen oder nach Implantation von z.B. Schrittmachern oder Defibrillatoren eine deutliche Verunsicherung. In der Folge können die Gedanken des Betroffenen sich mehr und mehr auf die Erkrankung richten und andere Themen verdrängen, bis diese kaum noch Raum finden. Aus anfänglich kleinen Sorgen und Ängsten bezüglich der Gesundheit können so psychische Störungen entstehen, die ihrerseits den Verlauf der Herz-Kreislauf-Erkrankung nachhaltig negativ beeinflussen.

An dieser Schnittstelle zwischen Körper und Seele setzt die Psychokardiologie an. Sie bietet im Rahmen Ihres Krankenhausaufenthalts als Behandlungsergänzung psychologische Unterstützung an. Im persönlichen Gespräch können z.B. Aspekte der Krankheitsentstehung, des Verlaufs oder der Behandlung besprochen werden. Dabei stehen in einer ganzheitlichen Sicht auf den Menschen nicht nur Belastungsfaktoren, sondern auch Möglichkeiten der Bewältigung, der Neuausrichtung und der Problemlösung im Fokus. Wissenschaftliche Studien haben nachgewiesen, dass psychologische Unterstützung bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen den Behandlungsverlauf, aber auch den Heilungserfolg erheblich verbessern kann. Sie ist somit heute ein auch in den Leitlinien verankerter Teil einer langfristig erfolgreichen gesamtheitlichen Therapieplanung.

Da neben dem Patienten oft auch Personen des nahen Umfelds betroffen sind, finden neben Einzelgesprächen mit dem Patienten auf dessen Wunsch auch Paar- oder Familiengespräche sowie Einzelgespräche mit seinen Angehörigen statt.

Die psychokardiologische Behandlung wird leitliniengerecht und anhand neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse vorgenommen. Dabei kommen Techniken der kognitiven Verhaltenstherapie, der patientenzentrierten Gesprächstherapie, der lösungsfokussierten Kurztherapie sowie ggf. auch Entspannungsverfahren oder Elemente der Hypnotherapie zum Einsatz.

Mögliche Gesprächsanlässe können folgende Themen bieten

  • Entlastung in Akutsituationen,
  • Förderung der Krankheitsbewältigung und -adaption,
  • Einordnung der Krankengeschichte in den lebensgeschichtlichen Zusammenhang,
  • Verbesserung der Kommunikation zwischen Patient und behandelndem Arzt,
  • Stärkung der Therapiecompliance/ Motivation zur Lebensstiländerung,
  • Evaluation interner und externer Ressourcen und Bewältigungsmöglichkeiten, Erhöhung der Selbstwirksamkeit,
  • Bewältigung von Verlusterlebnissen und Trauerprozessen,
  • Begleitung Angehöriger,
  • ggf. Diagnostik und Therapie psychischer Komorbiditäten,
  • Vermittlung externer Hilfsangebote.

Psychokardiologie