Die Blutgerinnung sorgt zusammen mit der Aktivierung von Blutplättchen (Thrombozyten) bei Gefäßverletzungen für eine Abdichtung der Verletzungsstelle.

Ursachen und Auswirkungen

Eine krankhafte Aktivierung der Blutgerinnung kann durch Verlangsamung der Blutflussgeschwindigkeit (z.B. längere Bettruhe), eine Schädigung der Oberfläche des Blutgefäßes (z.B. Atherosklerose) oder eine Veränderung der Blutzusammensetzung hervorgerufen werden.

Wesentliche Herzerkrankungen, die mit einer Gerinnungsaktivierung einhergehen, sind bestimmte Herzrhythmusstörungen, einige Herzklappenfehler oder implantierte Fremdkörper mit Oberflächen aus Metall oder Kunststoff, wie beispielsweise Gefäßstützen (Stents) oder mechanische Herzklappenprothesen.

Behandlung

In einigen dieser Situationen z.B. nach Implantation von Stents ist eine alleinige Hemmung der Blutplättchen ausreichend. Dies geschieht unter anderem mit niedrig dosierter Acetylsalicylsäure (ASSÒ). In allen anderen Fällen ist es erforderlich, die Gerinnungsfähigkeit des Blutes herabsetzen. Klassische, überwiegend im Krankenhaus hierfür verwendete Medikamente sind Heparinpräparate, die entweder in das Unterhautfettgewebe injiziert oder kontinuierlich über eine Infusionspumpe in das Venensystem abgegeben werden. Die Vitamin-K-Antagonisten werden in Tablettenform eingenommen und eignen sich somit für eine ambulante Dauertherapie. In Deutschland kommt praktisch ausschließlich Phenprocoumon (MarcumarÒ) zum Einsatz.

Die Dosierung eines Vitamin K-Antagonisten darf nicht nach einem festen Schema erfolgen, da die Patienten unterschiedlich stark auf das Präparat ansprechen und die gerinnungshemmende Wirkung durch viele Medikamente und andere Faktoren beeinflusst werden. Der behandelnde Arzt wird das aktuelle Ausmaß der Gerinnungshemmung regelmäßig durch einen Bluttest überprüfen (heute INR-Wert, früher Quick-Wert) und hiernach die Tagesdosis individuell festlegen. Optimal ist ein möglichst gleichbleibendes Ausmaß der Blutgerinnungshemmung innerhalb eines definierten Zielbereichs. Eine Unterdosierung führt dazu, dass das Medikament nicht mehr ausreichend vor Gerinnselbildungen schützt. Bei einer Überdosierung sind Blutungskomplikationen zu befürchten. Bagatellverletzungen im Haushalt stellen kein großes Problem dar; ein längeres Abdrücken der Wunde als üblich ist zur Stillung der Blutung fast immer ausreichend. Die Zeit, bis die gerinnungshemmende Wirkung auf die Hälfte abgefallen ist, beträgt bei Phenprocoumon (MarcumarÒ) ungefähr 6-7 Tage. Eine raschere Aufhebung der Wirkung kann durch die Zufuhr von Vitamin K oder Gerinnungsfaktorkonzentraten erreicht werden.

In den letzten Jahren wurden neue Gerinnungshemmer entwickelt, die ähnlich wirksam und sicher wie die Vitamin K-Antagonisten sind. Derzeit sind - in alphabetischer Reihenfolge - folgende Präparate in Deutschland zugelassen: Apixaban (EliquisÒ), Dabigatran (PradaxaÒ), Edoxaban (LixianaÒ) und Rivaroxaban (XareltoÒ).

Diese auch als direkte orale Antikoagulantien (DOAKs) bezeichneten Wirkstoffe können in fester Dosis eingenommen werden, ohne dass Gerinnungswertkontrollen erforderlich sind. Ihr Blutspiegel wird im Gegensatz zu den Vitamin K-Antagonisten durch andere Medikamente oder die Ernährung praktisch nicht beeinflusst. In einigen Aspekten, wie beispielsweise der geringeren Rate an Hirnblutungen, sind sie den Vitamin K-Antagonisten überlegen. Ihre Konzentration im Blut steigt nach der Einnahme einer Tablette so schnell an, dass bereits nach wenigen Stunden ein wirksamer Schutz gegen Embolien vorliegt. Dies bedeutet jedoch auch, dass die Medikamentenkonzentration im Vergleich zu den Vitamin K-Antagonisten innerhalb von 24 Stunden um mehr als die Hälfte abfällt. Deshalb ist es wichtig, die DOAKs gewissenhaft entsprechend der Vorschrift einzunehmen und möglichst keine Tablette zu vergessen.

Wichtig ist, dass die DOAKs nur für bestimmte Erkrankungen mit erhöhtem Embolierisiko, nämlich Vorhofrhythmusstörungen (in erster Linie Vorhofflimmern), Venenthrombosen und Lungenembolien zugelassen sind. Falls die Vorhofrhythmusstörungen in Verbindung mit einem schwerwiegenden Herzklappenfehler bestehen oder in der Vergangenheit eine Herzklappenprothese implantiert wurde, wird die Behandlung mit DOAKs nicht empfohlen.

Welches gerinnungshemmende Präparat im Einzelfall besser geeignet ist, muss individuell in Absprache mit dem behandelnden Arzt geklärt werden. Zu berücksichtigen sind die Art der Herzerkrankung, zusätzlich eingenommene Medikamente und Begleiterkrankungen, wie beispielsweise eine Nierenfunktionsstörung.

Worauf Patienten achten sollten

  • Eine medikamentöse Hemmung der Blutgerinnung wird mit dem Vitamin K-Antagonisten Phenprocoumon (MarcumarÒ) oder Nachfolgepräparaten (direkte orale Antikoagulantien; DOAKs) durchgeführt
  • Eine gewissenhafte Einnahme der Medikamente ist entscheidend für den Nutzen der Therapie und die Vermeidung von Blutungskomplikationen
  • Die MarcumarÒ-Dosis muss anhand regelmäßiger Gerinnungsmessungen im Blut individuell festgelegt werden, während dies für die DOAKs in der Regel nicht erforderlich ist
  • Die Entscheidung, ob Phenprocoumon (MarcumarÒ) oder eines der DOAKs eingenommen wird, sollte nie eigenmächtig, sondern immer nur in enger Abstimmung mit dem behandelnden Arzt getroffen werden.

Ansprechpartner Gerinnungsstörungen

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