Bei entzündlichen Herzerkrankungen wird unterschieden zwischen der Myokarditis, einer akuten oder chronischen Entzündung von Herzmuskelzellen, und der Endokarditis, einer lebensbedrohlichen Entzündung der Herzinnenhaut.

Myokarditis

Die Myokarditis ist eine akute oder chronische Entzündung der Herzmuskelzellen, ausgelöst meist durch eine Virusinfektion. Über 20 verschiedene Viren sind als Verursacher einer Myokarditis bekannt.


Ursachen und Symptome von Myokarditis

Bei einem viralen Infekt, z.B. einer Grippe, wie einer Grippe kann es auch zu einer Beteiligung des Herzmuskels kommen. Die daraus resultierende Herzmuskelentzündung ist in den allermeisten Fällen harmlos und heilt in der Regel nach wenigen Tagen folgenlos ab. Sie kann aber auch zu einer ausgeprägten Herzschwäche bis hin zum Herzversagen führen. Bei einer chronischen Herzmuskelentzündung verspüren die Patienten häufig erst nach Wochen oder Monaten typische Symptome wie verminderte Leistungsfähigkeit, Luftnot oder Herzrhythmusstörungen.

Erfreulicherweise gelingt es der körpereigenen Abwehr in weit über 90 Prozent der Fälle, die Viren aus dem Herzmuskelgewebe auszuschleusen. Häufig sterben dabei kleinere Areale oder ganze Herzmuskelzellen ab und hinterlassen Mikronarben. Gelingt es dem Körper nicht, die Viren aus dem Herzmuskel zu entfernen, kann eine chronische Entzündungsreaktion (ähnlich wie bei einer Rheumaerkrankung) fortbestehen, die das Herzmuskelgewebe weiter schädigt.


Krankheitsbild bei Myokarditis

Das daraus resultierende Krankheitsbild geht oft einher mit einer chronische Herzschwäche, Angina pectoris (Herzschmerzen), mit Luftnot und Wassereinlagerungen im Bauch oder in den Beinen. Häufig treten auch Herzrhythmusstörungen, Mattigkeit, Abgeschlagenheit und viele andere Symptome auf.


Diagnostik bei Myokarditis

Eine MRT-Untersuchung kann Hinweise auf das Vorliegen einer Herzmuskelentzündung geben. Die mit dem MRT erzielten Befunde sind jedoch in aller Regel vieldeutig und können auch andere Ursachen einschließen. Sicher diagnostiziert werden kann eine akute oder chronische Herzmuskelentzündung nur am Herzmuskelgewebe selbst. Wenn der Verdacht auf eine derartige Erkrankung vorliegt, werden kleine Gewebeproben aus dem Herzmuskel (Myokardbiopsie) entnommen. Die Biopsien werden meist mit speziellen (immunhistologischen) Färbeverfahren untersucht, um zu klären, ob ein Entzündungsprozess vorliegt und wie ausgeprägt die entzündlichen Veränderungen sind. In einem zweiten Schritt wird in den Biopsien nach Viruspartikeln gesucht.

Aus dem Blut des Patienten werden ferner Faktoren (Zytokinmuster) bestimmt, aus denen die Reaktion der Immunabwehr auf die chronische Entzündung im Blut des Patienten ablesbar ist. Daraus lässt sich abschätzen, ob die Entzündung mit hoher Wahrscheinlichkeit von selbst ausheilt oder ob eine spezifische medikamentöse Behandlung angezeigt ist.


Behandlung bei Myokarditis

Die Ergebnisse der Untersuchungen ermöglichen heute eine sehr differenzierte Behandlung der akuten und chronischen Myokarditis. Da die chronische entzündliche Herzmuskelerkrankung bei einem hohen Prozentsatz der Patienten spontan ausheilt, wird mit der spezifischen Behandlung meist erst begonnen, wenn in einer zweiten Herzmuskelprobe einige Monate später immer noch Entzündungszeichen nachweisbar sind.

Die genannten Erkrankungen bedürfen einer Therapie mit Medikamenten, einer Physiotherapie und bedingen eine gesunde Lebensweise. Bei schwerer Herzschwäche mit einer Pumpleistung der linken Herzkammer unter 35 Prozent erhalten die Patienten zum Schutz vor lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen vorübergehend eine Defibrillator-Weste.

Flyer "Myokardbiopsie"

Endokarditis

Die Endokarditis ist eine lebensbedrohliche Entzündung der Herzinnenhaut (Endokard), betroffen sind überwiegend Herzklappen, aber auch ins Herz eingepflanzte künstliche Materialien wie eine Herzklappe sowie Schrittmacherkabel.


Ursachen und Symptome von Endokarditis

Die Endokarditis wird in der Regel durch Bakterien verursacht. Sie gelangen durch Verletzungen insbesondere der Mundschleimhaut, der Haut und der Darmwand oder im Gefolge anderer bakterieller Infektionen ins Blut. Die Bakterien setzen sich häufig an bereits vorgeschädigten Herzklappen oder Herzklappenprothesen fest und vermehren sich dort. Die vielen Bakterien zerstören die Herzklappe und oft auch das umgebende Gewebe. Die Herzklappe schließt nicht mehr, es kommt zu einer akuten Herzschwäche.


Diagnostik bei Endokarditis

Teile der Herzklappe oder Blutgerinnsel auf den Herzklappen können abreißen und wandern (Embolie) dann mit dem Blutstrom z.B. ins Gehirn (Schlaganfall). Eine Herzklappenentzündung löst häufig Fieber aus und kann ein Herzgeräusch hervorrufen. Um die Diagnose Endokarditis stellen zu können, sind Ultraschalluntersuchungen der Herzklappe von außen und über die Speiseröhre erforderlich. Auf diese Weise werden die entsprechenden Veränderungen sichtbar gemacht.

Parallel wird im Blut des Patienten nach einer Entzündung gesucht und mittels Blutkulturen die dort gefundenen Verursacher-Bakterien angezüchtet. Danach untersuchen die Mikrobiologen, welches Antibiotikum zur Behandlung am besten geeignet ist. Unbehandelt verläuft die Erkrankung tödlich. Die Therapie erfordert Zeit. Meist müssen mehrere Antibiotika parallel zwei- bis viermal am Tag über 4-6 Wochen verabreicht werden, um alle Bakterien zuverlässig abzutöten.


Behandlung bei Endokarditis

Leider können bei vielen Patienten mit Endokarditis schwerwiegende Komplikationen auftreten wie Schlaganfall, Embolien (Verschleppung entzündlichen Materials in verschiedene Organe), eine hochgradige Undichtigkeit der Herzklappe, eine lokal unkontrolliert verlaufende Infektion sowie Rhythmusstörungen, Überleitungsblockierungen und eine Sepsis oder auch ein akutes Nierenversagen. In dieser schwierigen Situation kann der Patient nur durch eine rasche Operation mit Entfernung der entzündeten Herzklappe gerettet werden. Patienten mit Infektionen des künstlichen Materials wie künstliche Herzklappen und Schrittmacherelektroden haben ein besonders hohes Risiko. Eine Sanierung gelingt in aller Regel nur nach Entfernung des künstlichen Materials.

Flyer "Endokarditisprophylaxe"

Ansprechpartner Entzündliche Herzerkrankungen

  • Prof. Dr. med. Cornelia Piper

    Fachärztin für Innere Medizin / Kardiologie
    Intensivmedizin
    Zusatzqualifikation Interventionelle Kardiologie (DGK)


    Stellvertr. Klinikdirektorin

    mehr