Medikamentöse Therapien, Interventionen der Herzkranzgefäße (Ballonaufdehnungen und Bypasschirurgie) und Lebensstiländerung haben in den letzten Jahrzehnten zu einem Rückgang der koronaren Herzerkrankung und des Herzinfarktes geführt. Die Risikofaktoren werden heute viel früher erkannt, zudem sind die symptomatische Therapie und die Prognosen bei vielen Patienten mit koronarer Herzerkrankung deutlich verbessert worden. Doch bei einigen wenigen Patienten können die Herzschmerzen (Angina pectoris) durch all diese Maßnahmen nicht beseitigt werden. Aber auch ihnen kann mittlerweile geholfen werden.

Mit Neuromodulation gegen Herzschmerzen

Mit Hilfe der Therapiemethode Neuromodulation können Herzschmerzen bei Angina pectoris gut behandelt werden. Sie ermöglicht den meisten Patienten ein schmerzfreies, normales Leben. Über eine kleine Elektrode, die unter lokaler Betäubung ähnlich einem Katheter wie bei der sogenannten schmerzlosen Geburt auf das Rückenmark gelegt wird, werden gezielt die Schmerzfasern, die Schmerzimpulse vom Herzen zum Gehirn leiten, stimuliert. Der Patient spürt ein angenehmes Kribbeln im Ausbreitungsgebiet der Herzschmerzen. Die Hälfte aller so im Herz- und Diabeteszentrum NRW behandelter Patienten ist danach völlig schmerzfrei, die übrigen Patienten geben an, dass ca. 90% der Schmerzen durch die Neuromodulation unterdrückt seien.

Mit Neuromodulation gegen hohen Blutdruck

Die Neuromodulation hat sich ebenfalls bewährt bei der Behandlung von extrem hohen Blutdruck. Bei einigen der von der sogenannten therapieresistenten Hypertonie betroffenen Patienten verselbstständigt sich der Blutdruck und erreicht trotz medikamentöser Behandlung weiterhin Werte von 180:100 mm Hg und auch weit darüber. Der Blutdruck lässt sich nicht absenken, weil die ihn regulierenden Zentren im Gehirn auf einen höheren Wert eingestellt sind. Hier setzt seit einiger Zeit eine neue Therapie ein, bei der elektrische Impulse verwendet werden.

Diese relativ neue Einsatzform der Neuromodulation heißt Baroreflexstimulation und reguliert den Blutdruck wie eine Art Schrittmacher. Die Messfühler für den Blutdruck befinden sich in den Hauptschlagadern und in den Nierengefäßen. Bei der im HDZ bevorzugten und mit großem Erfolg eingesetzten Methode werden feinste Elektroden auf die Halsschlagader genäht. Sie senden mit ihren Stromimpulsen Reflexe an die blutdruckregulierenden Zentren im Gehirn aus. Die Impulse täuschen höhere Blutdruckwerte vor, worauf das Gehirn den Blutdruckwert senkt und alle damit verbundenen Risiken beseitigt. In der Klinik für Kardiologie konnte diese Behandlungsmethode schon bei vielen Patienten mit Erfolg praktiziert werden.

Weiterführende Links