Die Entwicklung der Herzschrittmachertherapie begann vor rund 100 Jahren. Seit fast 60 Jahren kommen implantierbare Systeme regelmäßig zur Anwendung. Die Geräte geben elektrische Impulse an das Herz ab und behandeln so die gestörte elektrische Reizbildung oder Reizleitung des Herzens.

Anwendung

Normalerweise entstehen elektrische Impulse in spezialisierten Herzzellen, typischerweise mit einer Frequenz von 60 - 80 pro Minute. Diese Impulse werden an die Herzmuskelzellen der Herzvorkammern und dann an die der Herzhauptkammern weitergeleitet, bis es zu einer regelmäßigen Muskelkontraktion der Herzkammern mit Auswurf des Blutes in den Lungen- und den Körperkreislauf kommt. Sind diese elektrischen Systeme am Herzen erkrankt, kann die Anwendung eines der Herzschrittmachers oder Defibrillators notwendig werden.

Herzschrittmacher

Herzschrittmacher gleichen den zu langsamen Herzschlag aus. Dieser entsteht durch Störungen des Impulsgebers des Herzens, dem Sinusknoten oder durch Blockierungen im nachgeschalteten Strukturen des Reizleitungssystems des Herzen, meist im sogenannten AV-Knoten, bei dem es sich um die Übertrittsstelle der elektrischen Erregung von den Vorkammern auf die Hauptkammern des Herzens handelt. Das Herzschrittmacheraggregat, welches u.a. die Batterie enthält, wird über einen kleinen Hautschnitt unterhalb des Schlüsselbeins unter die Haut eingesetzt. Die Verbindung zum Herzen wird über ein oder zwei Kabel (Herzschrittmacherelektroden), die über die Blutgefäße zum Herzen gebracht werden, hergestellt.

Anders als die ersten Herzschrittmachersysteme der 50er und 60er Jahre des letzten Jahrhunderts, können moderne Geräte gezielt die Störung ausgleichen, die vorliegt. Die Geräte können also nach dem Prinzip "so viel Herzschrittmacheraktivität, wie nötig und so wenig wie möglich" programmiert werden um die gesunden Anteile des Reizleitungssystems nicht zu unterdrücken.

Zahlreiche andere technische Weiterentwicklungen sind heute in modernen Herzschrittmachern umgesetzt worden. So werden im HDZ NRW Geräte der neusten Generation eingesetzt, die beispielsweise die Durchführung von Kernspin- oder Magnetresonanztomographieuntersuchungen (MRT) zulassen.

Resynchronisationsschrittmacher (CRT)

Bei Patienten mit ausgeprägter Herzschwäche kommt es nicht selten zu Störungen im Reizleitungssystem der Herzkammern. Wir sprechen dann von einem sogenannten Schenkelbock. Dieser führt dazu, dass Teile der linken Herzkammer später aktiv werden als andere Teile. Es etsteht eine Asynchronie der Herzkammern, die nicht mehr "pumpen" sondern Schaukelbewegungen ausführen. Die Folge ist eine reduzierte Herzförderleistung und so eine weitere Verschlechterung der Herzschwäche.

In diesen Fällen können Resynchronisationsschrittmacher hilfreich sein. Diese werden mit einem zusätzlichen Stimulationskabel ausgerüstet, das ebenfalls über den Blutweg zum Herzen, in diesem Fall zur linken Herzkammer, gelegt wird. So kann gleichzeitig ein elektrischer Impuls an die rechte und einer an die linke Herzkammer gesendet werden. Auf diese Weise wird die durch den Schenkelblock hervorgerufene Asynchronie der Herzkammern beseitigt. Weil die Asynchronie der Herzkammern behandelt wird, sprechen wir auch von kardialer Resynchronisationstherapie, kurz CRT.

Auch hinsichtlich dieser Geräte konnten in den letzten Jahren bedeutsame technische Verbesserungen erzielt werden. So stehen z.B. multipolare Elektroden zur Verfügung, die eine noch effektivere und gezieltere Einstellung ermöglichen. In zahlreichen wissenschaftlichen Projekten tragen wir im Herz- und Diabeteszentrum zur Weiterentwicklung der Systeme bei und sind so in der Lage für unsere Patienten die modernsten Systeme vorzuhalten.

Implantierbare Defibrillatoren (ICD)

Implantierbare Defibrillatoren, auch ICDs genannt, beseitigen einen lebensbedrohlich zu schnellen Herzschlag. Dieser kann u.a. bei Patienten mit ausgeprägter Herzschwäche, speziellen Erkrankungen des Herzmuskels oder bei primär die Reizbildung betreffenden Erkrankung auftreten und ohne ICD einen plötzlichen Herztod herbeiführt.

Die ICD-Geräte werden ähnlich wie Herzschrittmacher eingesetzt und über ein oder zwei Kabel mit dem Herzen verbunden. Im Unterschied zu Herzschrittmachern, können über diese Geräte nicht nur Impulse zur Behandlung des langsamen Herzschlags abgegeben werden, sondern es erfolgt zusätzlich eine ständige Überwachung des Herzrhythmus im Hinblick auf einen zu schnellen Herzschlag, Tachykardie genannt. Registriert das Gerät einen zu schnellen Herzschlag, der seinen Ursprung in der Herzkammer hat (ventrikuläre Tachykardie), so werden Stimulationsimpulse, auch antitachykardes Pacing oder ATP genannt, abgebeben, die den normalen Herzrythmus wieder herstellen. Sollte diese Behandlung nicht erfolgreich sein, so kann ein hochenergetischer Defibrillations-Schock die Rhythmusstörung beseitigen. Besteht das Risiko für derartige Rhythmusstörungen bei gleichzeitiger ausgeprägter Herzschwäche mit Schenkelblock, kommen Resynchronisationsschrittmacher mit ICD-Funktion (CRT-D-Geräte) zum Einsatz.

Nachsorge von Herzschrittmachern, CRT- und ICD-Systemen

Jeder Patient, der Träger eines solchen Gerätes ist, erhält einen Ausweis, in dem die wichtigsten Parameter, u.a. die Art des Gerätes und die Programmierung festgehalten sind. In regelmäßigen Abständen müssen die Geräte hinsichtlich ihrer Funktionsfähigkeit überprüft werden. Dies erfolgt in einer ambulanten Sitzung, in der über eine Telemetrieeinheit Kontakt zu dem Gerät aufgebaut wird. So können die Programmierten Parameter abgerufen, die Speicher (vergleichbar mit einem Langzeit-EKG) ausgelesen und verschiedene Tests durchgeführt werden. Abschließend werden die Ergebnisse im Geräteausweis, einschließlich der ggf. angepassten Programmierung, notiert.

Diese Sitzungen können beim niedergelassenen Kardiologen oder in der Herzschrittmacher- und ICD-Ambulanz des Herz- und Diabeteszentrums durchgeführt werden. Für viele dieser Untersuchungen ist eine Vorstellung in der Ambulanz oder der Arztpraxis gar nicht mehr erforderlich, da eine telemedizinische Nachsorge ohne Erscheinen des Patienten mit den modernen Geräten möglich geworden ist. In diesen Fällen wird lediglich ein Bericht an den Hausarzt geschickt. Diese Art der Nachsorge erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Institut für angewandte Telemedizin (IFAT).

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