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Pro und Contra Widerspruchslösung

Eine Herausforderung sollte es sein, der sich Lea Brückner, Emil Wegehenkel, Selma Kronsbein und Lotta Wopp stellen. So lautete die Aufgabe für die Schüler der 8. Klasse der Laborschule Bielefeld, die während der schulischen Projektwochen gelöst werden soll. Ihre Wahl fiel auf das Thema Organspende. Wie ist das, wenn man auf ein neues Herz warten muss? Was soll mit meinen eigenen Organen geschehen, wenn ich gestorben bin? Warum brauchen wir überhaupt Spenderorgane?

So wichtige Fragen will Prof. Dr. Jan Gummert, Direktor der Klinik für Thorax- und Kardiovaskularchirurgie am Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW) in Bad Oeynhausen, gerne persönlich beantworten. Bereits 57 Spenderherzen wurden in diesem Jahr in seiner Klinik transplantiert, hinzu kommen acht Kinderherztransplantationen unter der Leitung von Dr. Eugen Sandica. Ausführlich erläutert er die Situation der Patienten, die manchmal jahrelang auf das lebensrettende Organ warten müssen, den organisatorischen Ablauf einer Herztransplantation und die wichtige Nachbehandlung mit Medikamenten, die eine Abstoßungsreaktion auf das fremde Organ verhindern.

„Wie ist Ihre Meinung zur Einführung einer Widerspruchslösung?“ will Lotta von dem Herzchirurgen wissen. Gemeinsam mit ihren Mitschülern bereitet sie eine Veranstaltung vor, in der man ebenso wie in der Politik über den aktuellen Vorschlag diskutieren will. Demnach dürften künftig nach dem Tod Organe entnommen werden, es sei denn, der Verstorbene hat dieser Regelung zu Lebzeiten widersprochen.

„Für uns Ärzte ist es ganz schlimm, wenn wir unseren Patienten nicht helfen können“, sagt Professor Gummert. In Bad Oeynhausen warten aktuell 160 Patienten auf ein Spenderherz, oft muss eine künstliche Herzunterstützung eingesetzt werden, um ein Überleben zu ermöglichen. „Ich finde es deshalb sehr gut, dass viele Politiker erkannt haben, wie wichtig es ist, eine Entscheidung zu treffen.“

Die Widerspruchslösung zwinge niemanden, seine Organe zu spenden, betonte Gummert. Denn wie auch immer die persönliche Entscheidung zu diesem Thema ausfalle, werde dies respektiert. Ein solcher gesellschaftlicher Konsens sei seiner Meinung nach zumutbar und würde viele praktische Probleme beseitigen. Das zeigen die guten Beispiele aus vielen anderen europäischen Ländern.

Lea, Lotta, Selma und Emil sind gespannt, wie ihre Mitschüler sich an der geplanten Diskussion beteiligen werden. Von ihrem Besuch im Bad Oeynhausener Spezialklinikum nehmen sie viele neue Eindrücke mit. Die VAD-Koordinatorin Daniela Röfe hat ihnen einige Kunstherzen und Herzunterstützungssysteme mitgebracht. Die modernen Modelle wiegen ganz leicht in der Hand. „Das Klinikum ist riesengroß“, stellen sie auf einem abschließenden Rundgang fest, der sie zum Kinderherzzentrum und dem Laboranalysezentrum führt, wo sechs Millionen Analysen jährlich automatisch ausgewertet werden. „Wir hoffen, dass die Patienten, die hier auf ein Spenderherz warten, zukünftig nicht mehr so lange warten müssen.“

 

Weitere Informationen:

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Mit der Widerspruchslösung haben sich (v.l.) Lotta, Selma, Lea und Emil gemeinsam mit Professor Gummert bei ihrem Besuch im Herz- und Diabeteszentrum NRW, Bad Oeynhausen, beschäftigt (Fotos Marcel Mompour).