Herz- und Diabeteszentrum NRW

Digitalisierung und Menschlichkeit

"Digitalisierung ist eine immense Chance für die Medizin, aber Menschlichkeit ist ihr bester Freund." Mit ihrem Plädoyer für moderne Hochleistungsmedizin im Einklang mit menschlicher Nähe brachte Geschäftsführerin Dr. Karin Overlack das Neujahrstreffen des HDZ NRW auf ein Motto, das alle Anwesenden teilten. Sie erinnerte an die vielen Herausforderungen, denen sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei ihren Aufgaben im Klinikum tagtäglich stellen, nicht ohne die besonderen emotionalen Aspekte im medizinischen Alltag zu vergessen.

Das HDZ NRW befinde sich an der Schwelle zu vielfältigen Veränderungen, betonte Overlack. Angesichts der hervorragenden Möglichkeiten und Erkenntnisse, die sich der Medizin heute böten, sei es an der Zeit, die Patientenversorgung noch einmal neu zu überdenken. "Ich bin fest davon überzeugt, dass für den Patienten von morgen "moderne Hochleistungsmedizin" nicht nur die Apparate am Bett und die Maschinen im OP sind, sondern auch ein hervorragend organisierter, automatisiert gesteuerter Prozess, in dem wir durch technische Mittel unterstützt Freiraum gewinnen, uns um den Patienten zu kümmern - mit dem Ziel der bestmöglichen Behandlung mit geringstem Risiko und einer Lebensqualität, die auf lange Sicht so gut wie möglich ist."

Im Spezialklinikum zur Behandlung von Herz-, Kreislauf- und Diabetespatienten sind derzeit vier Chefarztpositionen neu zu besetzen. Die laufenden universitären Berufungsverfahren würden noch einige Zeit und Geduld erfordern. Darüber hinaus werde in diesem Jahr nach einer Pflegedirektion gesucht, welche zukünftig nicht nur das hervorragende Pflegeteam im HDZ zu koordinieren und unterstützen habe, sondern insbesondere auch Sorge tragen solle für eine strategische Postionierung des Pflegedienstes im Zeitalter von Digitalisierung, Spezialisierung und Fachkräftemangel.

Aufgaben 2018: Neue Chefs, Fachkräfte, Pflege

Den Unterhaltungsteil des Abends gestaltete der Hamburger Sportjournalist, Talkmaster und Filmemacher Reinhold Beckmann, der jetzt auch als Musiker gemeinsam mit seiner vierköpfigen Band auftrat und das Publikum abwechselnd mit Anekdoten und selbst komponierten Stücken beeindruckte. Als Multitalent vergass Beckmann auch nicht den humoristischen Teil und frozzelte zu gerne über das aktuelle Geschehen in der politischen Landschaft, über Hypochonder und das spannende Verhältnis zwischen Kardiologen und Herzchirurgen. Ein solches hatte erst Professor Dr. Jan Gummert, ärztlicher Direktor des Zentrums, in seiner Begrüßungsansprache als eheähnlichen Zusammenschluss bezeichnet. Da dieser sich möglichst lange und erfolgreich bewähren sollte, sei es umso wichtiger, während der laufenden Berufungsverfahren den Eindruck eines Speed Datings beiseite zu schieben und sich die angemessene Zeit und nötige Sorgfalt für die Gespräche vorzubehalten.

Kein wirklich erfolgreiches Jahr 2017 sei es für die Transplantationsmedizin gewesen, betonte Gummert. In Bad Oeynhausen sind 71 Herztransplantationen durchgeführt worden, elf weniger als im Vorjahr. Die Zahl der insgesamt in Deutschland durchgeführten Herztransplantationen sei von 290 (2016) auf 242 weiter gesunken. Gemeinsam mit Luxemburg trage Deutschland die rote Laterne als Schlusslicht hinsichtlich der in Europa zur Verfügung stehenden Organe. Von den politischen Entscheidungsträgern wünschte sich Gummert mehr Mut zu einer parteiübergreifenden Lösung, um schwer herzkranken Wartepatienten zu helfen.

Eine Bestätigung für das große Engagement und die besondere Fürsorge der Ärzte und Pflegekräfte gegenüber den ihnen anvertrauten Menschen seien persönliche Danksagungen und Briefe wie der eines 91-jährigen Patienten, der vor zehn Jahren operiert wurde und sich heute über die Geburt seines Urenkels freut. "In diesen Danke beziehe ich alle Ihre Kollegen sowie alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im OP-Saal und auf der Station ein," schrieb ihm dieser. "Sie haben alles Menschenmögliche geleistet, damit ich diese schwere Operation gut überstanden und mich danach so schnell und so gründlich erholt habe."

Dr. Karin Overlack und Prof. Dr. Jan Gummert begrüßen 500 Gäste im Theater im Park (Foto Armin Kühn).