Ausstellung vom 21.11.2012 - 23.01.2013

Ilka Vogler, die zunächst in Hamburg und Paris deutsche und französische Literatur studierte und erst Mitte der achtziger Jahre an die Hochschule für bildende Künste kam, liebt die Sprache ebenso wie die Kunst. Gern verknüpft sie bildhaftes mit Ornamentik und mit Worten. Form, Bild und Text vernetzt sie zu nicht mehr trennbaren Konstruktionen.

Ausgebildet in Bildhauerei und Malerei, sprengte sie, wie sie sagt, den zeitweilig zu eng, zu einfach, zu eindimensional empfundenen Rahmen der Malerei und erweiterte diesen in den Raum hinein. Auch da war schon die Sprache, waren schon die Wörter im Gepäck. Aus Wörtern schuf sie Arabesken, Texte wurden als malerisches Mittel eingesetzt. In dieser Zeit entstanden die ersten Raum- und Fensterinstallationen. Zu Ilka Voglers Repertoire gehören aber auch die cut-outs und die Fotografie. Ein weiteres bedeutendes künstlerisches Medium ist für sie das Zeichnen, das sowohl inhaltlich wie methodisch in einem engen Zusammenhang zur Arbeit mit den Lackfolien steht. Diese gibt es seit 1991, und es entstehen immer wieder Neue. In jüngster Zeit finden auch Acryl und Glas als Malhintergrund Verwendung.

Ilka Voglers Lackfolienbilder können plakativ, phantasievoll, bunt, rätselhaft verschlüsselt, melancholisch und fröhlich zugleich sein. Oft wirken die Arbeiten wie überdimensionierte, flüchtige Zeichnungen, dann wieder kommen sie ganz malerisch, mit kräftigem Farbauftrag daher. Die Farben sind klar, die Raumaufteilung ist großzügig, auch bei den kleinen Formaten. Zeichnerische und malerische Ansätze werden nicht immer vollständig ausgeführt. Bisweilen wird die Farbe mehrschichtig und kompakt verwendet, so dass die Bildoberfläche in einem reliefartigen Charakter erscheint. Mit diesen Strukturen werden gelegentlich die Grenzen des Objektes berührt und eine skulpturale Qualität der Malerei angedeutet. Das gilt insbesondere für die Acryl- und Glasarbeiten, die mit Licht und Schatten eine dritte Dimension suggerieren und in der Abstraktion an vegetative oder kosmische Formen erinnern.

Die Lackfarben stammen aus dem Heimwerker- oder Maler- und Anstreicherbedarf. Die Folien, eigentlich für die Verwendung als Tischdecken vorgesehen, gibt es im Kaufhaus. Immer wieder fasziniert Ilka Vogler die Materialität dieses industriellen Produkts und dessen künstlerische Einsatzmöglichkeiten, denn die Lackfolien spielen eine ganz eigenständige Rolle in den Arbeiten. Der Untergrund oder Bildhintergrund bleibt vielfach unbearbeitet. Dessen Farbe, Glanz und Reflektionen müssen aber in das Gesamtwerk integriert werden.

Die Arbeiten der Künstlerin sind kondensierte, sichtbar gewordene Bruchstücke von Gedanken. Das rudimentär malerische tritt in ihren Bildern als gleichberechtigtes Zeichen neben das Wort und das Ornament. Der Schriftzug „aneinander hängendes Herz“ oder „aneinander gehängtes Herz“ ist mit einer Arabeske, einer Herzschlange, unterlegt. Ein Gedicht von J. W. Goethe rankt sich um ein stilisiertes Gingkoblatt, das „zweigeteilt in Einem“ der Herzform ähnelt, und manchmal sind es nur noch Linien, die den Text in der Malerei strukturieren. Ilka Vogler verschränkt Schrift und Bild miteinander und schafft so eine neue, andere Ebene der Wahrnehmung und der Wirklichkeit. Die Betrachter transferiert sie damit auf eine erweiterte, übergeordnete Dimension der Auseinandersetzung. Assoziationen, Symbole, Metaphern, bruchstückhaftes, auf das Essenzielle reduziertes Bild und Wortmaterial sind die künstlerischen Instrumente. Virtuos setzt sie diese ein. Mit ihren Werken schenkt sie uns ihr Inventar für eigene Gedanken- und Bildwelten. Diese großzügige Geste sollten wir unbefangen und unvoreingenommen annehmen. Ein Zugewinn an Kreativität, Phantasie, Offenheit und Ideenreichtum ist dabei gewiss.

Textauszug aus: "zweigeteilt in Einem"
Gedanken von Ulla Lohmann zu den Werken von Ilka Vogler