In den Kulturen vor dem Anbrechen der Neuzeit, eben diesen „Archaischen Welten“, sind Körper und Geist, Leib und Seele seit jeher als untrennbare Einheit betrachtet worden. Die Werke Fernand Rodas machen deutlich, dass diese zwei Bereiche zusammengehören, die in der modernen westlichen Gesellschaft lange Zeit getrennt voneinander betrachtet worden sind.

Fernand Roda über seine Malerei

Wenn man sich auf einer Documenta umsieht oder ein beliebiges Museum mit Gegenwartskunst besucht, dann könnte man den Eindruck gewinnen, dass Malerei aus der Mode gekommen sei. Raumfüllende Installationen von allerlei Objekten und verdunkelte Säle mit flackernden Videoaufnahmen beherrschen die Szenerie. Ich habe es immer etwas schade gefunden, dass manche Kuratorenkollegen sich so sehr auf eine bestimmte Kunstpraxis spezialisieren, dass sie die Qualitäten anderer Gattungen nicht mehr erkennen wollen. Dabei gibt es hohe Qualität in allen künstlerischen Äußerungen, in den althergebrachten wie in den technisch avancierten.

Malerei hat trotz der neuen Formen und Medien immer noch einen entscheidenden Vorteil: Zwischen dem Künstler und dem im Entstehen begriffenen Kunstwerk befindet sich nur ein Pinsel, und der Impuls aus dem Hirn wird direkt in die Handbewegung übersetzt. Die Inspiration und das künstlerische Wollen führen zur Wahl von Farbe, Thema und Komposition. Das individuelle Temperament ist im Pinselduktus wiederzufinden. Im Gegensatz dazu werden Installationen zwar vom Künstler persönlich arrangiert, aber eine Handschrift darin nur selten zu entdecken. Fotografie und Video sind technische Produkte, bei der mindestens eine Linse zwischen Autor und Werk steht. Von Kunst, die mit digitalen Mitteln geschaffen wurde, will ich gar nicht erst reden.

Dies ist keine Kritik an modernen Kunstgattungen, sondern nur ein vorsichtiger Appell, die andauernde kreative Energie der Malerei mit demselben Ernst zu betrachten. Das Werk von Fernand Roda gibt dazu einen guten Anlass. Immerhin hat er bei keinem Geringeren als Joseph Beuys studiert - er war sogar sein Meisterschüler -, und es kann nicht schaden, daran zu erinnern, dass es eben dieser charismatische Lehrer war, der den Kunstbegriff geöffnet hatte. Wenn jeder ein Künstler sein kann, warum also nicht auch ein Maler?