 |
26. Februar 2006
"Es ist ein Geschenk" - Prof. Körfer hat Margarete Wiebe aus Detmold ein schlagendes Herz implantiert
Bad Oeynhausen. Jede Stufe eine Qual. Der Weg in die erste Etage eine unendlich beschwerliche Reise. Die kleinste Kleinigkeit viel zu anstrengend. Weil das Herz nicht mehr will. Das war Margarete Wiebes Leben noch vor ein paar Wochen.
Dann implantierten Prof. Dr. Dr. Reiner Körfer und sein Team ihr das weltweit erste schlagende Herz. Seitdem ist die 55-jährige Detmolderin berühmt. Sie strahlt, plaudert mit den Journalisten - und ist schon fast wieder so fit wie ein Turnschuh.
"Es ist ein Geschenk", erzählt die Mutter von sechs Töchtern. Natürlich habe sie zugestimmt, als die Ärzte sie fragten, ob sie ihr als erste Patientin ein schlagendes Herz implantieren sollten. "Hab’ ich gern gemacht."

Das Spitzenteam mit Margarete Wiebe und dem neuen Organ Care System. | Zum Foto oben: (v. l.) Dr. Uwe Schulz, Dr. Sebastian Schulte-Eistrup, Prof. Dr. Reiner Körfer, Dr. Gero Tenderich sowie David Kolstad und Waleed Hassanein von Trans Medics. Neben dem Organ Care System hat Margarete Wiebe Platz genommen.
Am 16. Januar schließlich war ein passendes Herz für Margarete Wiebe gefunden. Die Transplantation selbst, das Einsetzen des Herzens war Routine, erklärte Körfer. Der weitaus aufregendere Teil lag davor. Denn das Spenderherz wurde mit einem neuartigen System transportiert. Nachdem die Ärzte dem verstorbenen Spender das Herz explantiert hatten, wurde es im "Organ Care System" der amerikanischen Firma Trans Medics transportiert. Während des Transports war es an eine Miniatur-Herz-Lungen-Maschine angeschlossen, durchströmt vom Blut des Spenders. Anders als in der Vergangenheit wird das Herz nicht auf Eis gelagert, es behält die Körpertemperatur, und das Wichtigste: Es schlägt.
Vorbei sind damit die Zeiten, als die Transporte eines Spenderorgans nicht länger als drei Stunden dauern durften. "Im Tierversuch war ein zehnstündiger Transport machbar", erzählt Körfer. "Damit sind Sie auf der sicheren Seite."
Viel größer wird damit der Aktionsradius der Mediziner. "Wir können Herzen aus Spanien holen", überlegt Körfer. "Damit ergeben sich ganz neue Chancen der Transplantationsmedizin. Durch das neue Transportsystem vergrößere sich das Angebot von Spenderorganen. "Damit können wir die Warteliste verkürzen." Und das ist dringend notwendig. Denn zurzeit muss ein Patient rund ein Jahr auf ein Spenderorgan warten.
Zehn Jahre lang hat Waleed Hassanein gewartet. Nicht auf ein Spenderherz, sondern darauf, dass sein Trans Medics-System endlich ausgereift ist. Dass es erstmals in Bad Oeynhausen eingesetzt wurde, ist für ihn nur logisch. "Unser Ziel war es, mit den Besten zusammen zu arbeiten." Später sollen mit dem System auch andere Organe transportiert werden. Erst das Herz, dann die Lunge und schließlich Leber und Niere - damit könnten weit mehr Menschen profitieren als Margarete Wiebe.
Wichtige Nachrichten, aber im Moment nicht für die Detmolderin. Sie diktiert den Reportern gerade ihre Pläne für den Rest des Tages in den Block: "Ich ruhe mich aus."
(Neue Westfälische Zeitung vom 24. Februar 2006 / Text: Stefan Schelp / Foto: Nicole Sielermann)
| Weiterführende Informationen |
 |
Neue Westfälische Zeitung
|
|
 |
|
|